Gesund durch Big Data? — Digitale Diabetesprävention

Berlin, 21.07.2021

Künstliche Intelligenz (KI) kann dabei helfen, Krankheiten zu erkennen. Sie kann in Windeseile große Mengen von Bild- und Labordaten auswerten und Zusammenhänge zwischen Datensätzen herstellen. So bietet sie nicht nur die Chance für individuelle Therapien, auch in der Prävention der Typ-2-Diabetes sind digitale Strategien erfolgversprechend.

Weltweit steigt die Zahl der Menschen mit Diabeteserkrankungen oder mit Prädiabetes. Hinzu kommt eine große Dunkelziffer an Menschen, deren Diabeteserkrankung nicht diagnostiziert ist. Im Kampf gegen die Volkskrankheit kommt vor allem der Prävention von Typ-2-Diabetes eine große Bedeutung zu.
Dank der Digitalisierung lassen sich Risikofaktoren für eine mögliche Erkrankung identifizieren und daraus individuelle Präventionsmaßnahmen ableiten. KI wird zunehmend dazu genutzt, Subgruppen des Diabetes zu identifizieren, die Prognose zu verbessern und zu individualisieren sowie geeignete personalisierte Therapiemaßnahmen anzubieten. Grundlage für entsprechende Strategien im Bereich der Therapie sind die riesigen Datenmengen, die bei Untersuchungsmethoden und Tools zum Diabetesmanagement anfallen. Ganz vorne dabei: Innovative Technologien wie CGM-Systeme, Smart-Pens, Wearables und Gesundheits-Apps. Diese Datenmengen mit Hilfe von KI, Algorithmen und selbstlernenden Maschinen sachgerecht zu erfassen, zu analysieren, zu interpretieren und daraus geeignete Schlussfolgerungen zu ziehen, wird immer wichtiger, um das Leben von Menschen mit Diabetes positiv zu beeinflussen.

Im Alltag schon angekommen

Wie Professor Dr. Bernhard Kulzer, Diabetes-Zentrum Bad Mergentheim, in seinem Artikel im diesjährigen Digitalisierungs- und Technologiereport Diabetes (D.U.T 2021) aufführt, werden im Bereich Diabetes immer mehr KI-Anwendungen nicht nur erforscht, sondern auch zunehmend angewendet. Inzwischen gibt es für den Großteil der Begleit- und Folgeerkrankungen des Diabetes KI-unterstützte Diagnostikverfahren. So lässt sich die diabetische Retinopathie mittlerweile mit sehr guter Sensitivität und Spezifität mit Hilfe von KI screenen und diagnostizieren. Auch zur Prognose des Glukoseverlaufs und bei der Weiterentwicklung digitaler Technologien im Diabetesmanagement kommt immer häufiger KI zum Einsatz. Ob zur Früherkennung des Typ-2-Diabetes oder im Rahmen einer personalisierten Therapie – KI und Big Data erweitern die Möglichkeiten enorm und bieten damit neue Chancen. Bereits jetzt sind sie aus dem Behandlungsspektrum des Diabetes nicht mehr wegzudenken.1

Lebensstilveränderung bei Typ-2-Diabetes: effizient und nachhaltig

Zur Prävention von Typ-2-Diabetes haben sich vor allem Lebensstilveränderungen als wirksam und nachhaltig erwiesen. Gerade hier sehen Experten*innen großes Potenzial in digitalen Anwendungen, die zum einen ein mögliches Risiko rechtzeitig erkennen, zum anderen Risikopatienten*innen bei der Verhaltensänderung unterstützen.

Experten*innen erwarten für den Zeitraum von 2015 bis 2040 eine relative Zunahme der Typ-2-Diabetes-Fälle um bis zu 77 %, eine Wachstumsrate, die sich durch entsprechende Präventionsmaßnahmen verhindern ließe. Ihre Beispielrechnung: Wenn 50 % der Personen mit einem Prädiabetes erfolgreich und dauerhaft an Maßnahmen zur besseren Ernährung und Gewichtsreduktion teilnähmen, ließen sich allein bis 2030 etwa 400.000 Diabetesfälle verhindern, bei einer Beteiligung von 90 % sogar eine Million Fälle.2

Beispiele für digitale Präventionsstrategien

Möglichkeiten, rechtzeitig gegenzusteuern, sehen die Autoren bei Ärzten*innen und Patienten*innen gleichermaßen. Einige Beispiele:

  • Integration digitaler Risikorechner in die elektronische Gesundheitskarte (ePA)
  • Integration von Präventionsempfehlungen in Expertensysteme sowie Screening von Risikopersonen
  • digitale Identifikation von Risikopersonen
  • digitale Interventionen zur Lebensstiländerung
  • digitale Tools zur Verhältnisprävention

Weitere Informationen zum Thema digitale Prävention finden Sie im D.U.T-Report 2021 in den Beiträgen „Künstliche Intelligenz (KI), Big Data“ von Prof. Dr. Bernhard Kulzer und „Digitale Prävention des Typ-2-Diabetes“ (Prof. Dr. Bernhard Kulzer und Dr. Jens Kröger) sowie im DIGITAL.corner „Digitale Tools für Prävention und Früherkennung des Typ-2-Diabetes einsetzen“. In der interaktiven Diskussionsreihe „Dia:cussion“ haben Prof. Dr. Martin Hirsch (Marburg) und Prof. Dr. Stefan Heinemann (Essen) über medizinische und ethische Aspekte von KI in der Diagnostik diskutiert. Den Podcast „Künstliche Intelligenz in der Diagnostik – Partner oder Ersatz des Diabetologen?“ können Sie hier nachhören. Wie gewohnt ist dieser als eCME-Fortbildung zertifiziert.


Quellen:
1. Kulzer B. Digitalisierungs- und Technologiereport Diabetes 2021: 190-201
2. Kulzer B, Kröger J. Digitalisierungs- und Technologiereport Diabetes 2020: 168-175

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