Die ePA ist gestartet – das ist der Status quo

Berlin, 25.05.2021

Alle wichtigen Gesundheitsdaten in elektronischer Form an einem Ort gesammelt – das soll die elektronische Patientenakte künftig leisten und damit die ärztliche Dokumentation in Aktenordnern ablösen. Seit Januar 2021 müssen Krankenkassen ihren Versicherten eine elektronische Patientenakte (ePA) anbieten. Dabei erfolgt die Einführung stufenweise, das heißt, nicht alle geplanten Funktionen sind von Anfang an nutzbar.

Die ePA kann durchstarten – rund 17 Jahre, nachdem dieses Projekt aufs Gleis gesetzt wurde. Grundlage dafür ist das Patientendatenschutzgesetz (PDSG), das Ende Oktober 2020 in Kraft getreten ist.

Im PDSG sind folgende Regelungen für die ePA festgelegt:

  • Die Krankenkassen sind gesetzlich verpflichtet, ihren Versicherten eine ePA bereitzustellen, und nur sie dürfen sie für ihre Versicherten anlegen. Das heißt, die Kassen werden, allein oder mit einem Partner, eine Serverstruktur aufbauen, auf der die Daten liegen, und ihren Versicherten dazu einen gesicherten Zugang anbieten. Die Krankenkassen sind die verantwortliche Stelle für die Verarbeitung der in der ePA zur Verfügung gestellten Daten. Im Rahmen der Auftragsdatenverarbeitung ist den Krankenkassen auch gestattet, andere Anbieter von elektronischen Patientenakten zu beauftragen. Die Krankenkassen haben nicht per se Einblick in die Dokumente.
     
  • Für die Versicherten ist die Nutzung der Akte freiwillig. Die ePA „gehört“ den Patienten*innen, nicht der Krankenkasse oder den behandelnden Ärzten*innen.
     
  • Die Patienten*innen entscheiden, ob sie die ePa überhaupt nutzen wollen, und wenn ja, was darin gespeichert sein soll. Auch welcher*welche Arzt*Ärztin Einblick in die Akte erhält, entscheiden sie selbst. Im Moment funktioniert dies noch nach dem Alles-oder-Nichts-Prinzip, d. h. entweder kein*e Arzt*Ärztin kann Einblick nehmen, oder alle Ärzte*innen sehen alles. Eine detaillierte Steuerung, welcher*welche Arzt*Ärztin oder Therapeut*in auf welche Daten zugreifen können soll, ist in der zweiten Stufe ab 2022 möglich.

    Ab dem 1. Juli 2021 sind alle Ärzte*innen gesetzlich verpflichtet, sich an die ePA anzuschließen. Sie müssen bis zu diesem Termin die Infrastruktur bereitstellen, um Daten über die Telematikinfrastruktur (TI) in die ePA zu übertragen oder auszulesen. Andernfalls haben sie mit der Kürzung von 1 % ihres Honorars zu rechnen.
     
  • Um die TI und ihre Anwendungen nutzen zu können, sind verschiedene Komponenten und Dienste wie etwa Konnektor, Kartenterminal oder ein VPN-Zugangsdienst nötig. Alle Komponenten müssen von der gematik für den Einsatz in der TI zugelassen sein, dazu veröffentlicht die gematik eine Liste der zugelassenen TI-Komponenten. Die ePA wird von der jeweiligen Krankenkasse auf Antrag als App für das Smartphone oder Tablet bereitgestellt. Erforderlich ist in der Regel ein Zugang zum Online-Bereich der Krankenkasse. Versicherte ohne Smartphone oder Tablet können die ePA schriftlich bei der Krankenkasse anfordern. Die Akte wird dann beim nächsten Arztbesuch nach Freigabe durch den*die Nutzer*in aktiviert. Spezifikation und Anforderungen an Sicherheit der Anwendung werden von der gematik festgelegt und geprüft.
     
  • Das Befüllen der ePA kann auf zwei Wegen geschehen: Zum einen können Patienten*innen ihre ePA über die ePA-App selbst befüllen. Dazu können sie sich Dokumente beispielsweise per E-Mail schicken lassen, die sie dann hochladen. Oder sie bitten ihren*ihre Arzt*Ärztin, dies für sie zu tun. Dafür benötigen die Behandelnden das Einverständnis der Patienten*innen. Den Zugriff vergeben die Patienten*innen entweder über ihre ePA-App oder direkt in der Praxis: Als „Schlüssel“ dient die elektronische Gesundheitskarte in Kombination mit einem persönlichen PIN. Die Einspeisung der Daten in elektronischer Form gelingt am besten über KIM (Kommunikation im Medizinwesen), wo medizinische Informationen und Dokumente bereits digital vorliegen. Wissenswertes zum sicheren Austausch von sensiblen Patienteninformationen erfahren Sie in unserem exklusiven Podcast.
     
  • Für die Erstbefüllung der ePA erhalten Ärzte*Ärztinnen im Jahr 2021 einmalig pro Versicherten 10 Euro. Danach kann die Erfassung, Verarbeitung und/oder Speicherung von Daten als Zuschlag zu den Versicherten-, Grund- und Konsiliarpauschalen extrabudgetär abgerechnet werden.
     
  • In der Akte werden zwei verschiedene Datengruppen abgebildet: zum einen Gesundheitsdaten, die durch die Versicherte*n zur Verfügung gestellt werden wie Befunde, (abfotografierte) Arztberichte und Röntgenbilder. Zum anderen sogenannte medizinische Informationen über die Versicherten, die von medizinischen Einrichtungen in die ePA eingestellt werden, wie beispielsweise elektronische Notfalldaten oder der elektronische Medikationsplan.
     
  • Bei einem Wechsel der Krankenkasse können Versicherte ihre Daten in die ePA des neuen Versicherers übertragen lassen. Auch können sie jederzeit eine komplette Löschung der gesamten ePA bei ihrer Krankenkasse veranlassen.
     
  • Mit dem PDSG wurde auch die Entwicklung einer App für das eRezept durch die gematik angestoßen. Das eRezept wird erstmalig ab dem 1. Juli 2021 für gesetzlich Versicherte verfügbar sein, ab dem 1. Januar 2022 wird es für alle Ärzte*innen mit Kassenzulassung verpflichtend.
     
  • Spätestens ab 2022 sollen der Impfausweis, der Mutterpass, das gelbe U-Heft für Kinder und das Zahnarzt-Bonus-Heft in der Akte gespeichert werden sowie „Krankenkassen-Informationen“ wie Abrechnungs- und Leistungsdaten. Haben Versicherte ihrer Krankenkasse den Zugriff auf die ePA erlaubt, kann und darf die Krankenkasse ihren Kunden*innen beispielsweise spezifische Leistungsangebote machen.  
     
  • Die Einführung der ePA gilt als Meilenstein in der Digitalisierung des Gesundheitswesens und der Vernetzung der Versorgungssektoren, mit der die Versorgung effizienter, besser und sicherer werden soll: geringerer Dokumentationsaufwand, keine unnötigen Doppeluntersuchungen mehr, Zeitersparnis durch eine schnellere und lückenlose Kommunikation unter den Leistungserbringern*innen im Gesundheitswesen. Mögliche Kontraindikationen bei Arzneien können schneller aufgespürt werden, da mit Zustimmung des*der Patienten*Patientin alle Beteiligten jederzeit auf die Informationen zugreifen können.

Weiterführende Informationen


Welche Meinung Diabetesteams zur ePA haben sowie Informationen über die ePA finden Sie im Digitalisierungs- und Technologiereport 2021 bei den Umfrageergebnissen sowie im Artikel „Start der elektronischen Patientenakte“ von Prof. Dr. Bernhard Kulzer, Nico Richter und Sabine Hochstadt.

Eine spannende Diskussion zur ePA können Sie in unserer Dia:cussion-Reihe hören, die wir in Kooperation mit der Medical Tribune einmal im Monat senden. Zum Thema „Elektronische Patientenakte: alles oder nichts?“ diskutierten Ende Februar Prof. Dr. Dirk Müller-Wieland und Dr. Nikolaus Scheper. Reinhören lohnt sich: Zu einzelnen Folgen können Sie sich eCME-Punkte sichern!

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