Alles „ePA-ready“? — So machen Sie Ihre Praxis fit für den nächsten Digitalisierungsschritt

Berlin, 16.06.2021

Ab 1. Juli hält die elektronische Patientenakte (ePA) verpflichtend Einzug in die Arztpraxen. Das Prinzip dahinter verspricht eine deutliche Erleichterung im Praxisalltag. Mit dem elektronischen Heilberufsausweis (eHBA) können Ärzte*innen, Psychotherapeuten*innen und Apotheker*innen dann auf die Akten ihrer Patienten*innen zugreifen und sehen, bei welchen Kollegen*innen ein*e Patient*in bereits war, welche Befunde dort festgestellt wurden und welche Behandlung erfolgt ist. Patienten*innen können zudem selbst Dokumente in die Akte hochladen und ihren Behandler*innen so dabei helfen, ihre Krankheitsgeschichte besser zu verstehen.

Soweit die Theorie — die technische Umsetzung gestaltet sich für viele Praxen jedoch nicht ganz so einfach. Das Deutsche Ärzteblatt berichtete beispielsweise, dass es bei der Bestellung des eHBA zu erheblichen Verzögerungen komme, da die vier zugelassenen Anbieter – die Bundesdruckerei (D-Trust), medisign, T-Systems und SHC Stolle & Heinz Consultants GmbH & Co. KG – mit dem Ansturm überfordert zu sein scheinen.1 Laut Informationen der Ärzte Zeitung hatten im März 73 % der Ärzte*innen in der ambulanten Versorgung noch keinen eHBA.2 Dieser berechtigt die Praxen auch dazu, den für den Zugriff auf die Telematikinfrastruktur (TI) benötigten Praxisausweis (Security Module Card Typ B, SMC-B) zu bestellen. Aufgrund der Verzögerungen konnten niedergelassene Ärzte*innen und Psychotherapeuten*innen den Praxisausweis bis Ende Mai auch bestellen, wenn ihnen bis dahin nur eine Bestätigung der Bestellung des eHBA vorlag.1

Welcher Anbieter kann den eHBA am schnellsten liefern?

Mitte April benötigte der Anbieter SHC Stolle & Heinz Consultants GmbH & Co. KG nach vollständigem Auftragseinfang etwa zwei Wochen, während die Bundesdruckerei sowie T-Systems jeweils etwa vier Wochen und medisign vier bis sechs Wochen brauchten.3 Die Bestellung des eHBA erfolgt über die zuständige Kammer, einige Kammern verweisen jedoch direkt auf die Bestellformulare der jeweiligen Anbieter.

Welche technischen Komponenten benötige ich, um meine Praxis „ePA-ready“ zu machen?

Damit eine Praxis auf die ePA zugreifen kann, muss sie an die TI angeschlossen sein. Hierzu werden ein eHealth-Kartenterminal, gegebenenfalls auch ein mobiles Kartenterminal, der Praxisausweis (SMC-B), ein Konnektor und ein VPN-Internetzugang benötigt. Zudem sind Softwareanpassungen im PVS durch ein PVS-Modul und natürlich der eHBA notwendig.4 Der Konnektor muss bereits über das Update „Produkttypversion 4“5 verfügen, das aktuell erst für den Konnektor der Marke Secunet zugelassen ist.6

Drohen Sanktionen, wenn meine Praxis zum Stichtag nicht „ePA-ready“ ist?

Ärzten*innen, die ab dem 1. Juli in ihren Praxen nicht die notwendige Ausstattung vorhalten, um Daten über die TI in die ePA zu übertragen und auszulesen, drohen gemäß §341 SGB V Sanktionen in Form von Honorarkürzungen um ein Prozent.7 Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kündigte auf dem 124. Deutschen Ärztetag jedoch an, dass Ärzte*innen keine Sanktionen befürchten müssen, wenn die Gründe für eine Verzögerung der ePA-Einführung nicht in ihrer Verantwortung liegen. Zu Kritik führt neben den Lieferzeiten auch die komplizierte Freischaltung des Ausweises.8 Neben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung hat auch die Bundespsychotherapeutenkammer die geplanten Sanktionen kritisiert.9

Sind Patienten*innen und Krankenkassen „ePA-ready“?

Seit dem 1. Januar 2021 müssen die Krankenkassen ihren Versicherten die ePA anbieten. Dies geschieht in Form einer App, die auf das Smartphone heruntergeladen wird. Hier kann die eigene Akte eingesehen und bearbeitet werden. Im März vermeldeten etwa die BARMER und die AOK, dass ihre ePA-Apps von jeweils wenigen tausend Nutzern*innen heruntergeladen worden seien.10 Anfang Mai berichtete die Techniker Krankenkasse, dass bereits 100.000 Versicherte die ePA nutzen würden und jedem Monat etwa 30.000 weitere hinzukämen. Es wird vermutet, dass die Zahl im Laufe des Jahres deutlich steigen könnte.11

Checkliste „ePA-ready“


Anforderungen an TI-Anbindung

  • Internetanschluss
  • TI-Bundle (Konnektor, stationäres Kartenterminal, VPN-Zugangsdienst und VSDM-Modul in Ihrem Praxisverwaltungssystem)
  • eHBA der Generation 2 (G2) für die Nutzung der neuen Medizinischen Anwendungen (NFDM, eMP, ePA, eArztbrief und eAU)
  • Praxisausweis (SMC-B)
  • Optional ein mobiles Kartenterminal

Spezifische Voraussetzungen für die ePA

  • Update Ihres Konnektors auf den ePA-Konnektor (PTV 4)
  • ePA-Modul in Ihrem Praxisverwaltungssystem
  • eHBA (G2)
  • Eingabe der Patienten-PIN für den Zugriff auf die ePA

Fristen


Seit 1. April: Arztbriefe können nur noch abgerechnet werden, wenn sie mit einem der zugelassenen KIM-Dienste als E-Arztbriefe verschickt werden.12 In einer KIM-Sonderausgabe des EinBlick-Podcasts der BERLIN-CHEMIE AG erfahren DiaChannel-Leser*innen exklusiv mehr über die KIM-Dienste

1. Juli: Praxen müssen „ePA-ready“ sein (Anforderungen siehe Checkliste)

1. Juli: Test des E-Rezepts in bis zu 120 Apotheken und 50 Praxen in Berlin und Brandenburg13

1. Oktober: Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung in den Praxen sowie bundesweite Einführungsphase des E-Rezepts (freiwillig)

1. Januar 2022: Verpflichtende Nutzung des E-Rezepts

Für weitere Infos rund um den eHBA hat die gematik eine Themenseite eingerichtet, auf der auch der Bestellprozess bei den einzelnen Anbietern erklärt wird.


Quellen
1. www.aerzteblatt.de 16.04.2021 (Stand 26.05.2021)
2. www.aerzteblatt.de 04.05.2021 (Stand 26.05.2021)
3. www.aerzteblatt.de (Stand 26.05.2021)
4. www.kbv.de 02.07.2020 (Stand 26.05.2021)
5. www.digitales-gesundheitswesen.de (Stand 26.05.2021)
6. www.aerzteblatt.de 06.05.2021 (Stand 26.05.2021)
7. www.kbv.de 09.07.2020 (Stand 26.05.2021)
8. www.aerzteblatt.de 14.05.2021 (Stand 27.05.2021)
9. www.kbv.de 12.05.2021 (Stand 26.05.2021)
10. www.aerzteblatt.de 09.03.2021 (Stand 26.05.2021)
11. Techniker Krankenkasse 13.04.2021 (Stand 26.05.2021)
12. www.kbv.de 01.04.2021 (Stand 26.05.2021)
13. www.deutsche-apotheker-zeitung.de 11.05.2021 (Stand 26.05.2021)

Viel Dank für Ihre Bewertung!

Ihr Feedback hilft uns, unsere Inhalte interessant zu gestalten.

Thank You For Your Ratings.

Empfehlen Sie diesen Artikel

Weitere Themen

Digital gegen Diabetes?

Vielversprechende Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz (KI) könnten bei Früherkennung und Prävention des Typ-2-Diabetes helfen.

Mehr erfahren
In der Pause weg vom Bildschirm!

Webinare, virtuelle Kongresse & Co. – spannend und vielseitig, aber auf Dauer auch ganz schön ermüdend. Wie kleine Tricks helfen, wieder auf Trab zu kommen.

Mehr erfahren
Innovation Insulin

Seit Bantings berühmten Versuchen im Jahr 1921 haben sich die Diabetestherapie und Technologie stetig weiterentwickelt. Ein Überblick.

Mehr erfahren