100 Jahre Insulin – 100 Jahre Diabetestechnologie?

Berlin, 14.07.2021

Es gibt ein besonderes Jubiläum zu feiern: Vor 100 Jahren wurde das Hormon Insulin erstmals isoliert und Hunden mit induziertem Diabetes injiziert! Bereits im Folgejahr kam es zum klinischen Einsatz am Menschen und ist in der Diabetestherapie seither unentbehrlich. Während der Nutzen der Insulinsubstitution geblieben ist, haben sich die Technologien zur Anwendung stetig weiterentwickelt. Heutzutage bieten Unternehmen wie die BERLIN-CHEMIE AG nicht nur Insuline und Injektionssysteme, sondern entwickeln begleitende Programme, die die Diabetesversorgung als Ganzes unterstützen.

Forschung ist vergänglich – was heute noch „State of the Art“ ist, ist morgen schon Schnee von gestern. Nicht so die Entdeckung des kanadischen Orthopäden Frederick G. Banting und dessen studentischen Assistenten Charles H. Best – Insulin, das nach der Extraktion aus Bauchspeicheldrüsen injizierbar ist und blutzuckersenkende Effekte zeigt.1 Damals hätten sich die beiden Forscher wohl nicht träumen lassen, welche Bedeutung ihre Entdeckung hat. Selbst als sie zwei Jahre später den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin erhielten, konnten sie wohl nicht erahnen, wie vielen Menschen mit einem Insulinmangeldiabetes der Pankreasextrakt das Leben retten würde. Seither hat sich die Produktion des Hormones deutlich weiterentwickelt: Kurz nach der ersten klinischen Anwendung 1922 begannen mehrere Firmen weltweit, sich an der Herstellung zu beteiligen – so stieg etwa die BERLIN-CHEMIE AG, die damals den Namen Chemische Fabrik C.A.F. Kahlbaum trug, bereits im Jahr 1924 in die Insulinproduktion ein und arbeitete parallel dazu an der Einführung oraler Antidiabetika.2 Die Produktion und der Reinheitsgrad des Insulins wurden stetig verbessert. Entwicklungen wie das schnell wirkende Normalinsulin oder Depotpräparate folgten.1 Die Aufklärung der Primärstruktur 1955 stellte dann die Weichen für die synthetische Herstellung des Humaninsulins (1974) und die Modifikation des Moleküls.Die sogenannten Insulinanaloga zeigten die gewünschten pharmakologischen Eigenschaften wie einen schnellen und intensiven oder auch langwirkenden Effekt.1

Neue Technologien und der „Faktor Mensch“

Eine vielversprechende Therapie für Diabetes mellitus war also gefunden – aber wie sollte das Insulin in die Körper der Menschen gelangen? Vermutlich hätte sich auch Banting eine orale Möglichkeit der Verabreichung gewünscht, um Menschen mit Diabetes das Spritzen zu ersparen. Es stellte sich jedoch heraus, dass das nicht möglich war.3 Es braucht also damals wie heuteTechnologie in Form von Spritzen und Kanülen. Da eine Injektion in das Unterhautfettgewebe nicht gerade angenehm ist, spielt der „Faktor Mensch“ eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit dem Therapieerfolg. Den Patienten*innen die Angst vor der Injektion zu nehmen, war seit jeher Ansporn zur Entwicklung neuer Technologien. Zunächst wurden Injektoren entwickelt, die sich durch einen Hebel auslösen ließen. Die Kanüle musste somit nicht selbst in die Haut gestochen werden. Heute noch existieren Ports, die wie Infusions-Sets gelegt werden können und über die das Insulin dann dem Körper zugeführt wird.3

Immer leichter, immer angenehmer

Inzwischen sind die Kanülen in der Insulintherapie deutlich „geschrumpft“, die Haut wird nicht mehr so stark verletzt – und nicht nur das: Die heutigen Insulinpens können wie Kugelschreiber in der Tasche getragen werden3 und erinnern von ihrem Aussehen her kaum noch an klassische Spritzen. So können Ängste abgebaut und die Gefahr einer Stigmatisierung bei der Therapiedurchführung verringert werden.3 Der erste dieser Pens wurde 1983 in Tschechien entwickelt, viele weitere Modelle wie etwa der BerliPen® der heutigen BERLIN-CHEMIE AG folgten, dabei entwickelte jedes Unternehmen seinen eigenen Insulinpen. Die wiederverwendbaren Pens werden mit Insulin-Ampullen befüllt. Seit Ende der 1980er-Jahre sind zudem Fertigpens auf dem Markt, in denen die Ampullen bereits integriert sind.3 Ziel der Weiterentwicklungen war es stets, die Insulinanwendung für Menschen mit Diabetes so einfach und angenehm wie möglich zu gestalten.

Wie digital ist die Zukunft von Insulin?

Pumpen, speziell zur Anwendung von Insulin, kamen erstmals in den 1980er-Jahren auf den Markt.3 Das Insulin wird hier über einen Katheter in das Unterhautfettgewebe abgegeben. Die neueren Generationen weisen immer mehr Funktionen auf, die ihren Träger*innen beim Diabetesmanagement helfen: So gibt es heute Pumpen, die mit Hilfe eines Glukosesensors drohende Hypoglykämien erkennen und sich als Reaktion darauf automatisch abschalten. 2019 kam in Deutschland dann schließlich das erste Hybrid-AID(Automated Insulin Delivery)-System auf den Markt, bei dem das Basalinsulin automatisch gegeben wird. Die Träger*innen des Systems müssen also nur noch die Boli manuell abrufen. AID-Systeme, die die komplette Insulinabgabe automatisch durchführen und per Smartphone-App gesteuert werden können, sind für die Zukunft bereits angekündigt und derzeit in Entwicklung.3 Auch wenn die Technik immer autarker wird: Der Fokus in der Therapie liegt auch weiterhin bei den Menschen. Denn dank der weiterentwickelten Technik haben sie immer mehr Möglichkeiten, die Therapie zu steuern und sie so optimal in ihren individuellen Alltag zu integrieren.

Insulintherapie heute – digital und patienten*innennah

Eine erfolgreiche Diabetestherapie setzt sich aus vielen unterschiedlichen Bausteinen zusammen. Dazu zählt auch, Patienten*innen zu Experten*innen ihrer eigenen Erkrankung zu machen. Gerade nach der Erstdiagnose haben sie einen großen Beratungs- und Schulungsbedarf, oft tauchen Fragen gerade zwischen den Praxisterminen oder im Vorfeld der ersten Schulung auf. Das digitale Therapiebegleitprogramm TheraKey® bietet Patienten*innen relevante Informationen zu ihrer Erkrankung aus seriöser Quelle. Es ermöglicht zudem die optimale Einbindung ihrer Angehörigen als wertvolle Unterstützung beim aktiven Management der Erkrankung. Einen elementaren Bestandteil in der Betreuung der Patienten*innen stellen strukturierte Schulungsprogramme wie INPUT dar. Sie schaffen Sicherheit, zum Beispiel im Umgang mit Insulinpumpen. Die BERLIN-CHEMIE AG engagiert sich seit vielen Jahren in der Entwicklung von Diabetes-Schulungsprogrammen und trägt somit zu einer verbesserten Versorgung von Patienten*innen in Deutschland bei. Mehr Informationen finden Sie hier auf dem Onlineportal Diabetes.

Veranstaltung „100 Jahre Insulin“ am 24. Juli 2021


Die diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe feiert die Entdeckung des Insulins mit einem hybriden Event, das um 10 Uhr mit einem Festakt im Hilton Hotel am Berliner Gendarmenmarkt, einer Begrüßungsrede von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und wissenschaftlichen Vorträgen von Experten*innen eröffnet wird. Daran schließt sich von 13 bis 18 Uhr die Patienten*innenveranstaltung mit weiteren Vorträgen an. Die TV-Moderatorin Andrea Ballschuh wird durch das Event führen. Ergänzt wird die Veranstaltung durch einen digitalen Wandelpfad zum Thema „100 Jahre Insulin“, der Aktion „100 Jahre, viele Geschichten“ und einer digitalen Sponsorenausstellung. Zu der Veranstaltung gelangen Sie hier.


Quellen:
1. Diem P. Ther Umsch 2020; 77(7): 289-296
2. www.diabetes.berlin-chemie.de (Stand 28.06.2021)
3. Thomas A: Diabetes Stoffw Herz 2021; 30(2): 130-135

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