Innovative Insulininfusionssets mit „Extended Wear Technology“

Berlin, 21.05.2021

Die Insulinpumpentherapie (continuous subcutanous insulin infusion, CSII) kann nur dann effektiv und sicher sein, wenn das Insulininfusionsset (IIS) gut funktioniert.1 Doch leider gehören Hautreaktionen an der Klebestelle und die Notwendigkeit, das Set häufig zu wechseln, zum Alltag vieler Anwender*innen.1 Die Hoffnung liegt daher auf der Entwicklung neuer Technologien, die sowohl eine verbesserte Hautverträglichkeit aufweisen als auch aus funktioneller Hinsicht eine verlängerte Tragedauer der IIS ermöglichen. Erste Ergebnisse liegen bereits vor.

Die CSII stellt in der modernen Diabetesbehandlung ein wichtiges Instrument zur zuverlässigen glykämischen Kontrolle dar. Sie kann Menschen mit Diabetes zu Flexibilität und Freiheit im Alltag und damit zu mehr Lebensqualität verhelfen.1 Während in den vergangenen Jahrzehnten bei der Pumpentechnologie beträchtliche Fortschritte erreicht wurden, gilt das leider nicht in gleichem Maße für die Insulininfusionssets (IIS).1 So wird jenes Zubehörteil, das die optimale Zufuhr des Insulins über einen dünnen flexiblen Schlauch und eine Kanüle ins subkutane Gewebe sicherstellen soll, auch als Achillesferse der Insulinpumpentherapie bezeichnet.2,3 Die derzeitigen IIS sind zum einen anfällig für Funktionsstörungen, wie etwa das Verstopfen durch die Ausbildung von Insulinfibrillen4, eine Blasenbildung im Schlauch oder ein Abknicken des Katheters.1,3 Zum anderen lässt die Anwenderzufriedenheit mit den IIS mitunter sehr zu wünschen übrig.1

Aufwendig und belastend

Nicht wenige Patienten*innen klagen über Hautreizungen oder gar allergische Hautreaktionen an der Klebestelle, hervorgerufen durch die Bestandteile des Pflasters.1 Die IIS sollen alle zwei bis drei Tage gewechselt werden, doch die meisten Anwender*innen müssen sie mindestens jeden zweiten Tag erneuern.4 Diese häufige Substitution kann für die Patienten*innen nicht nur aufwendig, sondern auch belastend sein, gerade dann, wenn sie Angst vor Schmerzen beim Wechsel des Kanülenpflasters entwickeln.1,4 Verbleibt die Kanüle länger als drei Tage im Gewebe, so kann das bei einem Großteil der Patienten*innen zu Irritationen, Entzündungen oder gar Infektionen im Bereich der Einstichstelle führen.1

Neue Ideen und Technologien — dringend gesucht

Der Bedarf an Innovationen, mit deren Hilfe sich sowohl die Anwenderfreundlichkeit als auch die Funktionalität der IIS verbessern lassen, ist daher groß.1,4 Im Fokus steht dabei insbesondere eine so genannte „Extended Wear Technology“.1 Verschiedene Unternehmen befassen sich derzeit mit der Entwicklung von IIS, bei denen ein verlängerter Tragezeitraum von bis zu sieben Tagen möglich sein könnte (Extended-Wear-Time-IIS, eIIS).5,6,7,8 Die Ansätze berücksichtigen gleich mehrere Aspekte. Softe Kanülen mit seitlichen Öffnungen im Schaft sollen den Insulinfluss erleichtern, etwa dann, wenn die Kanüle geknickt wird oder die Spitze okkludiert.5,6 Auf diese Weise soll das Insulin zudem in einem größeren Bereich des subkutanen Gewebes eingebracht werden. Die Verwendung spezieller Materialien, insbesondere beim Schlauch der eIIS, soll die Stabilität und den Fluss des Insulins über einen Zeitraum von bis zu sieben Tagen sicherstellen.5,6,7,8 Auf ihre besondere Hautverträglichkeit hin überprüfte Adhäsionsmaterialien sollen dazu beitragen, das Risiko von Hautreaktionen herabzusetzen und so ein längeres Verbleiben des Pflasters auf der Haut ermöglichen.7,8 Erste Erfolge der Forschung sind bereits zu verzeichnen. Ein erstes eIIS wurde kürzlich zunächst in Finnland und Belgien zugelassen, weitere Länder sollen im Laufe dieses Jahres folgen.8

Sicherer, weniger Aufwand, Kosten und Müll

Sollten sich eIIS im Markt bewähren, könnte das die Insulinpumpentherapie für die Patienten*innen zukünftig deutlich sicherer und komfortabler gestalten. Gelänge es, mit Hilfe der neuen Technologien das Okklusionsrisiko zu senken und somit die zuverlässige Insulinzufuhr zu sichern, könnte das zu einem besseren Schutz vor Ketoazidosen beitragen. Eine verlängerte Tragedauer würde nicht allein aufgrund des geringeren Handhabungsaufwandes ein Mehr an Komfort bieten. Vielmehr würden darüber hinaus eine verbesserte Hautverträglichkeit und damit weniger Hautreizungen und allergische Reaktionen für die Anwender*innen ein deutliches Plus an Lebensqualität bedeuten. Von einer längeren Tragedauer würden aber insbesondere auch jene Patienten*innen profitieren, bei denen die Substitution mit Angst vor Schmerzen verbunden ist. Nebenbei bemerkt wäre es in diesem Zusammenhang auch wünschenswert, wenn den Anbietern die Entwicklung von Insertern gelänge, die ein sanfteres Setzen der Kanüle ermöglichen würden. Auch aus ökonomischer Sicht und im Hinblick auf den Umweltschutz hätten eIIS durchaus Vorteile: Ein selteneres Wechseln des Infusions-Sets würde weniger Insulinverlust bedeuten und so geringere Kosten verursachen.4 Nicht zuletzt würden eIIS dabei helfen, weniger Plastikmüll zu produzieren.4

Schulungsprogramm INPUT zur Insulinpumpentherapie


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Sie sind interessiert und/oder haben noch weitere Fragen? Wenden Sie sich gerne an den Außendienst der BERLIN-CHEMIE AG.


Quellen
1. Zhang JY et al. J Diabetes Sci Technol 2021, doi: 10.1177/1932296821999080. Epub ahead of print (Stand 20.4.2021)
2. Heinemann L, Krinelke L. J Diabetes Sci Technol 2012; 6(4): 954-964
3. Heinemann L et al. J Diabetes Sci Technol 2019; 13(1): 34-40
4. www.diatec-fortbildung.de, 4.12.2020 (Stand 20.4.2021)
5. Simic A et al. Diabetes Obes Metab 2021, doi: 10.1111/dom.14337. Epub ahead of print (Stand 20.4.2021)
6. Kastner J et al. Diabetes Technol Ther 2020; 22(S1): A59-A60, Abstract ID 807
7. www.capillarybio.com: Presseinformation Capillary 7.10.2020 (Stand 20.4.2021)
8. www.prnewswire.com: Presseinformation Medtronic 14.4.2021 (Stand 20.4.2021)

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