eRezept – so funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Arzt*Ärztin und Apotheke

Berlin, 22.04.2021

Ab Mitte 2021 können Ärzte*innen ihren Patienten*innen Rezepte in einer Einführungsphase als so genanntes elektronisches Rezept (eRezept) digital bereitstellen. Ab 2022 ist das eRezept bundesweit für gesetzlich Versicherte und apothekenpflichtige Arzneimittel verpflichtend. Das eRezept soll Abläufe bei der Arzneimittelversorgung und die Arzneimitteltherapiesicherheit verbessern sowie Zeit, Wege und Papier einsparen helfen.

So kommen rosa Scheine künftig digital in die Apotheke

Um eRezepte ausstellen und bearbeiten zu können, benötigen Arztpraxen und Apotheken einen Anschluss an die Telematikinfrastruktur (TI). Der*die Arzt*Ärztin erstellt das Rezept im Praxismanagementsystem und überspielt es in den „Fachdienst eRezept“ – nach einer Videosprechstunde sogar, ohne dass Patienten*innen dafür in die Praxis kommen müssen. Zurzeit können Patienten*innen noch entscheiden, ob das Rezept elektronisch oder auf Papier bereitgestellt werden soll. Wählen Patienten*innen die digitale Version, erhalten sie ihr Rezept als QR-Code wahlweise per E-Mail auf den Computer, als SMS aufs Handy oder per App aufs Smartphone. Diesen QR-Code können sie dann digital an die Apotheke weiterleiten oder vor Ort vorzeigen – ähnlich wie eine elektronische Bordkarte beim Fliegen. Die Verordnung selbst ist in einem speziellen Fachdienst der TI verschlüsselt gespeichert, von dort rufen Apotheker*innen die Informationen des Rezepts von den Servern ab.

Apps fürs Rezept – verschiedene Anbieter

Um das eRezept auf dem Smartphone zu empfangen und sich anzeigen zu lassen, benötigen Nutzer*innen eine „eRezept-App“. Solche Apps wird es von verschiedenen Anbietern geben, etwa von Krankenkassen oder dem Deutschen Apothekerverband e. V. (DAV). Damit die Übermittlung sicher und datenschutzkonform erfolgt, hat die gematik GmbH verbindliche Kriterien entwickelt, die von den App-Entwicklern einzuhalten sind. Auch bringt die gematik eine eigene eRezept-App auf den Markt.
Mit einer solchen App wird es möglich sein, eine Wunschapotheke zu suchen und ihr das Rezept zuzuweisen, anzufragen, ob das Medikament verfügbar ist, und eventuell bestellen zu lassen. Die Antwort, ob oder wann das Medikament verfügbar ist (sofort/heute/am nächsten Werktag/nicht verfügbar) und wie es bereitgestellt werden kann (Selbstabholung/Botendienst/Versand), erfolgt auf gleichem Weg. Nach Rückmeldung der Apotheke entscheidet sich der*die Patient*in via App für eine verbindliche Einlösung.

Rezept auf Papier bleibt auch nach Umstellung möglich

Der rosafarbene Rezeptschein wird zwar nach und nach abgeschafft. Doch es wird auch weiterhin möglich bleiben, sich den QR-Code auf Papier auszudrucken. Das ist wichtig, da nicht alle Menschen ein Smartphone haben oder die rein digitale Variante nutzen wollen. So haben beispielsweise auch Angehörige immer noch die Möglichkeit, für kranke Verwandte ein Rezept zu erhalten und in der Apotheke einzulösen.

Einspeisung in Medikationsplan

Die digital verordneten Arzneien sollen künftig auch gleich in den elektronischen Medikationsplan auf der elektronischen Patientenakte übernommen werden können. Darin sind dann alle Mittel, die man einnimmt, auf einen Blick zu sehen und Apotheker*innen können gegebenenfalls gefährliche Wechselwirkungen schneller erkennen. Weiterer Vorteil: Fehlerhafte oder unlesbare Verordnungen wird es nicht mehr geben und so bleiben der Apotheke telefonische Nachfragen oder Faxe erspart.

Schrittweise Einführung

Wie bei der ePatientenakte erfolgt auch die Einführung dieser TI-Anwendung schrittweise: In der ersten Version geht es zunächst um das klassische Arzneimittelrezept. Später sollen weitere Verordnungsformen wie das Betäubungsmittel- und das T-Rezept sowie das Grüne Rezept folgen. Auch Verordnungen für Heil- und Hilfsmittel sowie die häusliche Krankenpflege sind in der Diskussion.

Mit dem eRezept sollen Verordnungen einfacher und sicherer werden, auch soll die Zettelwirtschaft im Gesundheitswesen aufhören. Bis die eRezepte aber in größerem Umfang aus den Praxen rollen, kann es noch ein bisschen dauern.

Weiterführende Informationen

Ende 2020 hat die gematik auf dem Industrieforum Herstellern von Software für (Zahn-)Arztpraxen, Apotheken und Krankenhäuser einen Überblick zum eRezept sowie zur grundlegenden Architektur der Anwendung gegeben. Hier geht’s zum Video.

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