Telematikinfrastruktur – was kommt 2022 auf uns zu?

Berlin, 19.01.2022

Das neue Jahr beschert den Praxen weitere Neuerungen in Sachen Telematikinfrastruktur (TI). Im Jahr 2021 bekamen die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU), die Patientenakte (PA) und das Rezept ein „e“ und KIM verbannte das Fax aufs Abstellgleis – theoretisch jedenfalls. Denn zumindest bei E-Rezept waren der Feldversuch in den KV-Bezirken Berlin und Brandenburg weniger erfolgreich als gedacht und die flächendeckende Einführung, die für den Beginn 2022 geplant war, wird erstmal ausgesetzt.1 Während es bei der Umstellung also an einigen Stellen noch hapert, stehen für 2022 schon die nächsten Projekte an.

Auch 2022 gibt’s das Rezept noch auf Papier

Die Testphase für das E-Rezept wurde verlängert. Das kommt nicht überraschend – sollen doch in der Testregion Berlin und Brandenburg lediglich 42 Rezepte ausgestellt und abgerechnet worden sein. Das Bundesgesundheitsministerium hat Ende Dezember reagiert und kurzerhand die verpflichtende Einführung der digitalen Verordnung zum 1. Januar 2022 ausgesetzt. Der Pilotbetrieb wird in den kommenden Wochen fortgesetzt.1

Der Chat für Ärzte*innen

Immer mehr Dienstleister*innen und Geschäfte können auch bequem über Messengerdienste wie WhatsApp und Co. erreicht werden – wenn es um hochsensible Gesundheitsdaten geht, ist das eher keine gute Idee. Die Telematikinfrastruktur soll auch hier Abhilfe schaffen: Mit dem TI-Messenger sollen Leistungserbringer*innen des Gesundheitswesens zunächst untereinander unkompliziert Kurznachrichten sowie Text-, Bild- und Audiodateien austauschen können.2 Die gematik hat hierzu bereits im Oktober 2021 Spezifikationen veröffentlicht, nach denen sich die Entwickler bei der Konzeption einer Messenger-Lösung richten müssen. Die ersten TI-Messenger könnten in der zweiten Jahreshälfte auf dem Markt kommen. Später soll der Messenger auch Leistungserbringer*innen und Versicherte miteinander verbinden.3

TI 2.0 – bald ohne Konnektor

Was viele Praxen aktuell vor Herausforderungen stellt, soll demnächst wegfallen. Die gematik, die laut dem neuen Koalitionsvertrag der Ampel-Parteien zu einer „digitalen Gesundheitsagentur“4 ausgebaut werden soll, arbeitet bereits an der Telematikinfrastruktur 2.0, für die keine Konnektoren, Praxis- oder Heilberufsausweise (eHBA) mehr benötigt werden. Stattdessen soll der Zugriff einfach über das Internet möglich sein. Zugriffsberechtigte Personen erhalten eine elektronische Identität (eID), mit der sie Zugang zur TI haben. Auch Patienten*innen sollen in Zukunft per Smartphone unkompliziert auf ihre ePA oder auf E-Rezepte zugreifen können. Ein wenig müssen wir uns hier aber noch gedulden – die Umstellung auf die TI 2.0 soll Ende 2025 abgeschlossen sein.5

Zur TI 2.0 hat das Gesundheitsmanagement der BERLIN-CHEMIE AG für den EinBlick Newsletter ein Interview mit Stefan Höcherl, Leiter Bereich Strategie & Standards der gematik, geführt. Hier können Sie das Interview nachlesen.

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Weiterführende Informationen


Wie ist der Stand der Digitalisierung in den Praxen? Ein erstes Lagebild gibt der „Atlas der Telematikinfrastruktur“. Dort finden Sie auch ein kurzes Video, das die Ergebnisse der Umfrage zusammenfasst. Das PDF-Dokument können Sie über diesen Link direkt erreichen.

Ein Erklärvideo zum TI-Messenger finden Sie hier.

Infos zum eHBA, zur ePA oder E-Rezept finden Sie auf der Seite der gematik.

Was kommt dabei heraus, wenn eine Diabetologin und ein Vertreter der gematik über die Telematikinfrastruktur diskutieren? Finden Sie es heraus und hören Sie hier rein in die interaktive Live-Diskussion „Dia:cussion“ zur Frage „Telematikinfrastruktur – Autobahn oder Feldweg?“ mit Dr. Martina Lange (Diabetologin, Rheinbach) und Lars Gottwald (Leiter Business Teams der gematik, Berlin). Die Diskussion steht als Podcast zur Verfügung und ist mit zwei eCME-Punkten zertifiziert.


Quellen:
1. www.aerztezeitung.de, 21.12.2021
2. gematik. www.gematik.de (Stand 17.11.2021)
3. www.aerzteblatt.de, 01.10.2021
4. SPD/BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN/FDP. Mehr Fortschritt wagen. Bündnis für Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit. Koalitionsvertrag zwischen SPD, BÜNDNIS 90/Die GRÜNEN und FDP. 2021: 80-88
5. www.aerzteblatt.de, 11.10.2021

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